Es ist 18:00 Uhr. Anna hat bereits einen 10 Stunden Tag hinter sich und packt gerade ihre Sachen um zu gehen. Sie will zum Sport und sich anschließend noch mit zwei Freundinnen auf einen gemütlichen Wein treffen, ein Bisschen schnacken und den Bürostress hinter sich lassen. Darauf freut sich Anna schon den ganzen Tag.

Da kommt ihr Chef zur Tür herein. Er hat morgen eine Präsentation bei einem Kunden, für die er noch dringend aktuelle Daten und Fakten benötigt. Anna soll die Daten gleich in eine Powerpoint-Präsentation einarbeiten und diese ihrem Chef dann per eMail noch vor 22 Uhr nach Hause schicken.

"Nein Anna, bis morgen hat das leider keine Zeit. Ich muss mich ja noch einlesen und ausreichend vorbereiten. Das ist ein sehr wichtiger Termin. Ist ja auch eine absolute Ausnahme heute" meint er, verabschiedet sich und verlässt das Büro.

Solche Szenen spielen sich in Annas Büro-Alltag ein- bis zweimal die Woche ab. Nicht selten sitzt sie dann bis 21 Uhr im Büro. Manchmal sogar bis Mitternacht. "Sport kann ich auch morgen noch machen" sagt sie sich immer wieder "und meine Freundinnen sind nächste Woche ja auch noch da".

"Mädels, tut mir leid. Ich kann heute nicht kommen. Ich hab' hier total den Stress. Mein Chef hat morgen einen wichtigen Kundentermin und ich muss ihm noch dringend die Unterlagen fertig stellen. Ist diesmal echt ein Notfall und eine absolute Ausnahme. Lasst uns doch nächste Woche treffen, da klappt es ganz bestimmt. Seid mir bitte nicht böse".

Die Freundinnen nehmen es wie selbstverständlich zur Kenntnis. "Eine Ausnahme? Du scherzt. Das überrascht uns nicht wirklich. Anna, Du sagst uns jede Woche ab. Letzte Woche musstest Du die halbe Nacht auf den IT Support warten, davor die Woche hatte Dein Chef Geburtstag, davor musstest Du das Telefon bewachen, da Dein Chef einen wichtigen Anruf erwartet hat ... und so weiter, und so weiter ... irgendwas ist immer. Nein, das sind keine Ausnahmen mehr, das ist die Regel".

"Die Ausnahme wird zur Regel". Bei beruflich engagierten Menschen wird nicht selten aus einer anfänglichen Ausnahme eine Gewohnheit, eine Selbstverständlichkeit, die bei Vorgesetzten nicht selten Erwartungen von Dauerhaftigkeit weckt und somit letztendlich zur Regel wird.

Wer kennt solche oder ähnliche Szenen nicht aus seinem Büro-Alltag?

Im Jahr 2008 legte laut DAK Gesundheitsreport 2009 die Zahl der Krankmeldungen in Folge psychischer Belastung mit 7,9% überproportional zu. Zwischen 1998 und 2008 stieg ihr Anteil am Krankenstand um gut 60 Prozent von 6,6 auf 10,6 Prozent. „Insbesondere chronischer Stress in der modernen Arbeitswelt ist ein ernsthafter Risikofaktor für seelische Krankheiten“, betont der DAK Gesundheitsreport 2009.

Yoga und modernes Stressmanagement können hier helfen bzw. unterstützen einen Ausgleich zu schaffen, der uns Stress anders empfinden lässt und uns lehrt damit besser umzugehen.

Wie können die seit Jahrtausenden bekannten Techniken des Yoga in Kombination mit den modernen Techniken des Zeit- und Selbstmanagements unterstützen, die Anforderungen des modernen Alltags in Ausgeglichenheit zu meistern?

Hierzu muss man erst einmal analysieren, was Stress eigentlich ist.

Stress, das ist die Reaktion unseres Körpers und Geistes auf unspezifische Anforderungen des Alltags. Früher hätte man diese Situationen als akute Gefahrensituationen beschrieben, auf die der Körper mit …


  • Kampf oder
  • Flucht

  • reagieren würde. Beide Reaktionstypen können heute allerdings nicht mehr so einfach ausgelebt werden. Zudem ergibt sich unser heutiger Stress eher aus unschönen Situationen im Arbeitsleben, Zeitmangel in Privatleben und zwischenmenschlichen Problematiken.

    Wie wirkt sich Stress auf unser vegetatives Nervensystem aus?

    Stress führt (wie auch schon in alten Zeiten) zur Stimulierung des Sympathikus, welcher die nach außen gerichtete Handlungsbereitschaft erhöht. Das führt z.B. zu ...


  • erhöhtem Herzschlag
  • geweiteten Pupillen
  • zurückfahrender Verdauung und/oder
  • erhöhtem Adrenalinspiegel.

  • Der Gegenspieler des Sympathikus ist der Parasympathikus. Er ist für die Entspannungsreaktionen zuständig. Er …


  • beruhigt den Herzschlag und
  • setzt die Verdauung in Gang.

  • Bei einem Ungleichgewicht von Sympathikus und Parasympathikus kommt es oft sogar zu chronischer Überreizung bis hin zum körperlichen Zusammenbruch.

    Welche Funktion hat nun Yoga in diesem Zusammenhang?

    Yoga wird beschrieben als das „zur Ruhe bringen der Gedanken“. Zu diesem Ziel führen mehrere Wege die im Idealfall kombiniert werden:

    1. Durch das Praktizieren von Asanas (Körperübungen) wird der Körper zur Ruhe gebracht. Dies geschieht durch …


  • Kräftigung und Dehnung der Muskulatur
  • Massage der inneren Organe und
  • Massage des Lymphsystems – Reinigung bzw. Entschlackung des Körpers


  • 2. Durch Pranayama wird der Atem zur Ruhe gebracht, die Sauerstoffversorgung wird verbessert und die Lungenkapazität erhöht.

    3. Durch Meditation oder Konzentration werden die Gedanken zur Ruhe gebracht.
    Hinzu kommt noch eine gesunde Ernährung und positives Denken durch positive Affirmationen, die wir an unser Unterbewusstsein schicken.

    Yoga (aber auch autogenes Training, Feldenkreis o.ä.) ist also eine geeignete Übungsform, um Stressreaktionen an mehreren Stellen zu unterbrechen. Wir können durch bewusste Auslösung der Entspannung eine Anregung des Parasympathikus erlangen. Wir lösen also die Entspannung bewusst aus, bringen uns zur Ruhe.

    Das geht nicht nur in der Yoga-Stunde sondern auch in konkreten Stresssituationen wie z.B. in einem Meeting. Durch bewusste Atmung kann man sich recht schnell beruhigen und das, ohne dass es die Runde mitbekommt.

    Und was ist mit Zeitmanagement gemeint?

    Berufs- und Privatleben in harmonischen Einklang zu bringen, ist eine zu erlernende Kunst (Neudeutsch Work-Life-Balance). Das Privatleben kommt in der heutigen Zeit oftmals viel zu kurz. Wir bleiben doch noch mal eine Stunde länger im Büro, als eigentlich geplant. Das Treffen mit Freunden, das können wir doch noch mal verschieben oder den Sport heute wieder einmal ausfallen lassen.

    Wichtig ist, dass wir uns den eigenen Zeitfond und die räuberischen Zeitdiebe bewusst machen. Lebensziele und Lebensvisionen müssen definiert werden, um die eigenen Kräfte auf Schwerpunkte konzentrieren zu können. So erzielen wir eine Einheit aus dem, was wir wollen und dem was wir tun.

    Beruf, Familie und Freundschaften, Körper und Gesundheit sollen in einem ausgewogenen Gleichgewicht unser Leben bestimmen.

    Hierzu müssen wir unserem Privatleben eine höhere, gleichgestellte, eine unverschiebbare Priorität geben. Keinesfalls wird sich das negativ auf unser Berufsleben auswirken. Zufriedene und ausgeglichene Menschen erbringen im Berufsleben bessere Leistungen, haben weniger Leistungs- und Kreativitätsblockaden und sind für Arbeitgeber und Kollegen eine unbezahlbare Bereicherung.

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